Wasser, Strom und Essen sind im Fischerort Otsuchi Mangelware
Fast eine Woche nachdem der Tsunami den Fischerort Otsuchi überrollt hat, fehlt es den gut tausend Überlebenden noch immer am Nötigsten. Ohne Wasser, Strom oder ausreichende Essensreserven sind die Menschen auf Hilfe von außerhalb angewiesen. Viele sind in einer Turnhalle untergebracht. Zu der Katastrophe des Bebens und des Tsunamis kommt jetzt noch das Wetter: Ein Schneesturm hat die Temperaturen unter den Gefrierpunkt fallen lassen. Die Unglücksregion ist zu weiten Teilen mit Schnee bedeckt.
Vor allem fehlt es an Lebensmitteln. Eine kleine Schale Miso-Suppe mit Reis ist ein Luxus, manchmal muss eine Scheibe Brot für eine dreiköpfige Familie als Mahlzeit reichen. Doch die Versorgten sind dennoch dankbar: "Wenigstens geben sie uns drei Mal am Tag etwas zu essen", sagt ein 72-Jähriger. Eine junge Mutter sorgt sich um ihre anderthalbjährigen Tochter: "Wir bekommen kaum genug Reis." Mathematiklehrerin Naoshi Moriya, eine der vielen Freiwilligen in der Region, sieht mit Bangen in die Zukunft: "Es ist nur eine Frage der Zeit bis die Essensreserven zur Neige gehen."
So wie den Menschen in Otsuchi geht es vielen, die an der Tsunami-gebeutelten Nordostküste leben. 850.000 Haushalte sind noch immer ohne Strom, 1,5 Millionen Haushalte haben kein fließendes Wasser. "Es gibt bereits Fälle von Dehydrierung", berichtet ein Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen nach einem Besuch der Notunterkünfte. "Zwar gibt es bislang nur sehr wenige Gesundheitsprobleme, aber diese können sich verschlechtern
Japan ruft die Welt zu Hilfe
"Wir brauchen Wasser, Essen und Kraftstoff." Explosionen im Katastrophen-Reaktor. Nur noch 50 Männer kämpfen gegen den Super-GAU. Deutsche sollen Tokio verlassen
Tokio…
"Wir können uns nicht mehr warm halten. Wir brauchen dringend Kraftstoff, Leicht- und Schweröl, Wasser und Essen." Mit einem dramatischen Hilferuf hat sich Masao Hara, Bürgermeister der nordostjapanischen Stadt Koriyama, gestern an die internationale Gemeinschaft gewandt. "Ich möchte an die Welt appellieren: Wir brauchen Hilfe", sagte Hara. Schon tags zuvor hatte die japanische Regierung um Unterstützung aus dem Ausland gebeten. Sie spricht mittlerweile offiziell von mehr als 4300 Todesopfern.
Ein Wintereinbruch mit Schnee und starker Kälte hat die Notlage der Menschen in den von Erdbeben und Tsunami zerstörten Regionen im Nordosten Japans massiv verschärft. Die Versorgung der etwa 430 000 Menschen in den Notunterkünften und der Tausenden Japaner, die in den Trümmern ihrer Städte und Dörfer ausharren, ist nahezu zusammengebrochen.
Vielerorts in der Katastrophenregion werden Lebensmittel und Trinkwasser knapp, fehlt es bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt an Strom, Heizmaterial und Treibstoff. Allein nach Koriyama, das nur etwa 50 Kilometer vom Katastrophen-Reaktor Fukushima 1 entfernt liegt, haben sich gut 10 000 Menschen aus der Evakuierungszone rund um das schwer beschädigte Atomkraftwerk gerettet. Dort verschärfte sich die Gefahr eines unkontrollierbaren Super-GAUs weiter.